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Historischer Roman: Tage des Seth

  • Autorin: Judith Mathes
  • Verlag: Philipp von Zabern
  • Erscheinungsdatum: September 2010
  • Auflage: 1., deutschsprachig
  • Seitenzahl: 384
  • Ausgabe: Flexicover mit Lesebändchen
  • ISBN: 978-3805339117

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Dieser Roman „Tage des Seth“ beruht auf historischen Fakten: Eine Verschwörung am königlichen Hof gegen den Pharao hat stattgefunden. Der Frevel flog auf und viele bedeutsame Personen wurden verurteilt. Man kennt heute Einzelheiten aus schriftlichen Quellen, die aus jener Zeit stammen. Vielmehr als Namen, Taten und Aussagen der Verschwörer sind allerdings nicht gesichert. Wie sich die ganze unglaubliche Geschichte im alten Ägypten abgespielt haben könnte, verarbeitet die Autorin Judith Mathes in ihrem Roman.


Vorspann:
Vor dem Hintergrund der wahren geschichtlichen Ereignisse um den Anschlag auf den Pharao Ramses III., läßt Mathes eine Welt auferstehen in der Gesetze herrschen, die ausgerichtet waren darauf, stets die göttliche Ordnung, (altägyptisch: Maat), zu bewahren. Dies war von existentieller Bedeutung für die alten Ägypter. Den Pharao zu vernichten hieß auch Maat zu zerstören. Das Wirken Seths begann ...
Mit dem Roman „Tage des Seth“ folgt die Autorin einer weiteren historischen Spur. Sie hat bereits mit ihrem Roman „Tage des Ra“ bewiesen wie gekonnt Sie vergangene Tatsachen mit einer erfundenen Geschichte glaubhaft verknüpfen kann. Lebendige Schilderungen und plastischer Schreibstil lassen den Leser gedanklich eintauchen in eine andersartige Lebenswelt.

Inhalt:
Ägypten im Jahre 1156 v.Chr. Der Pharao ist alt und schwach geworden. Er hat seinen Nachfolger bereits bestimmt: sein gleichnamiger Sohn Ramses soll es werden. Doch es gibt noch weitere Söhne, einer davon Prinz Pentawer, der gemeinsame Sohn von der Nebengemahlin Tija. Er will über das Land am Nil herrschen, das mittlerweile seine einstige Macht verloren hat. Denn Unruhen und Folgen des Krieges zehren am Volk. Insofern formiert sich ein Netzwerk aus Priestern, Beamten und sogar königlichen Frauen, die eine Verschwörung mit dem Ziel den Gottkönig zu töten, eiskalt planen.
Inmitten dieser dunklen Machenschaften befinden sich der junge Heiler namens Cheru-ef (fiktive Person) und die junge Dienerin Achtaj (fiktive Person). Sie werden in den Strudel der Ereignisse hineingerissen. Cheru-ef zunächst als Mittäter der Verschwörer, und Achtaj, weil Sie die persönliche Dienerin von Königin Tija ist. Achtaj stammt aus einem Arbeiterdorf und ist ein gläubiges sowie kluges Mädchen mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Sie lernt zufällig den hübschen Cheru-ef kennen, der beruflich befördert wurde indem er als Schutzmann der königlichen Haremsfrauen fungiert. Cheru-ef ist ein wachsamer und nachdenklicher Zeitgenosse. Beide laufen sich aufgrund ihrer höfischen Tätigkeiten immer wieder über den Weg. Bis sie sich ineinander verlieben. Doch wegen den merkwürdigen Ereignissen, die sich im Umfeld der Königsfamilie abspielen, kommen sie ins Grübeln.
Geheimnisvolle magische Praktiken sollen den Pharao schwächen, falsche Beschuldigungen sollen Personen anschwärzen, Entführungen oder gar Morde sollen jene ausschalten, die der Verschwörung auf der Spur sind. Die Drahtzieher sind sich ihrer Sache sehr sicher und sehen ihrem Erfolg, einem nicht rechtmäßigen Thronnachfolger den Weg frei zu machen und ihren eigenen Beförderungen, fieberhaft entgegen.
Doch Cheru-ef sieht dies anders, denn obwohl er in seinen Taten noch den Verschwörern anhängt, ist er in Gedanken längst auf der anderen Seite. Mit Achtaj hat er eine Komplizin gewonnen, die ihrerseits in Cheru-ef einen Gehilfen gefunden hat. Beide orientieren sich an Werten, die ein göttlich legitimiertes Wirken des Herrschers über Ägypten bestimmen.
Nachdem sich die üblen Taten der Verschwörer häufen sowie der Sturz des Pharao beschlossene Sache ist, gerät Achtaj selbst in große Gefahr. Kritische Momente und lebensbedrohliche Ereignisse lassen sie fast scheitern an ihrem Plan den Pharao zu retten.


Meinung:
Eigentlich ein geradezu unwirklicher Ablauf einer Verschwörung, bei der lediglich zwei junge "unbedeutende" Menschen, die scheußliche und hinterlistige Tat verhindern wollen. Und am Ende sogar noch erfolgreich dabei sind. Zwar plausibel im Roman dargestellt, aber wenn man sich in die Zeit der wahren Ereignisse zurückversetzt, schwer vorstellbar dass sich die Rettung des mächtigen Pharaonenreiches so hätte abspielen können. Zuviele Fügungen (z.B. der Königssohn glaubt Cheru-ef sofort als er von der Verschwörung berichtet) und seltsame Zufälle (z.B. Achtaj kann problemlos fliehen und ihre Rettung ist immer rechtzeitig da).
Unter diesem Aspekt wird die Geschichte einem Roman absolut gerecht. Für den Leser ist somit ein fließender Lesegenuß mit fantasievollen Handlungssträngen, (die aber durchaus realitätsbezogen sind), die die Geschichte durchziehen, gewährleistet. Der Schwerpunkt liegt eindeutig auf den beiden fiktiven Protagonisten Cheru-ef und Achtaj. Alle anderen mitwirkenden Personen, wie zum Beispiel der Pharao, die Königinnen, die Täter, u.a., sind weniger präsent, aber dennoch keineswegs konturenlos. Konzentration beim Lesen erfordern das Kennenlernen der vielen weiteren Personen samt deren Namen und Standeszugehörigkeiten.
Die ganze Handlung wechselt oft den Schauplatz. Cheru-ef, aber noch vielmehr Achtaj, befinden sich meistens im Mittelpunkt der Geschehnisse. Der Roman lebt von den Gedanken, Taten und Dialogen dieser beiden Personen. Der Spannungsbogen erstreckt sich über alle Kapitel, und bewegt sich auf und ab.

Lobenswert sind die detailreichen und lebendigen Schilderungen im zwischenmenschlichen Bereich. Gedanken und Gefühle einzelner Personen, inbesondere der beiden Hauptpersonen, werden herausgestellt. Geschrieben aus der Sicht der Autorin, die ihren Charakteren Stimmen verleiht, entsteht ein breites Spektrum an verschiedenen Stimmungen. Der Unterschied zwischen Gut und Böse wird plastisch gut dargestellt. Immer in Anbetracht der damaligen Gegebenheiten, nämlich der starke Glaube an Maat (siehe weiter oben) und die Abkehr davon, die Herrschaft Seths als Gottheit der Zerstörung und des Chaos.
Sorgfältig recherchiert wurden von der Autorin die ägyptologischen Zusammenhänge. Insofern bewegt sich das Ganze auf hohem Niveau. Und vermittelt dem Leser nicht nur einen authentischen Einblick in die Lebenswelt am Nil zur Zeit des Neuen Reiches, sondern lehrt auch in unterhaltsamer Weise Wissen; explizit die Tragödie um das irdische Ende von Pharao Ramses III., einer der letzten großen Könige Ägyptens. Wußte man vor Auslesen des Buches noch wenig über das traurige Schicksal, das Ramses III. während seiner Herrschaft widerfahren ist, so gewinnt man mit "Tage des Seth" einen guten Überblick über die geschichtlichen Ereignisse. Natürlich sind aber Fantasie der Autorin und Fakten voneinander zu trennen.
Das Buch eignet sich sowohl für Ägyptenkenner als auch für Neulinge auf diesem Gebiet.


Pluspunkte:
Eine hervorragende buchbinderische Leistung macht den Roman zu einem Buch das man sehr gerne zur Hand nimmt, im wahrsten Sinne des Wortes. Mit Flexicover ausgestattet und praktischem Lesebändchen versehen wird jeder Leser begeistert sein. Ein ausführliches Glossar runden das Lesevergnügen fachlich ab. Alle im Roman vorkommenden Personen, historische und frei erfundene, werden im Anhang des Buches kurz beschrieben.
Auch in "Tage des Seth" verzichtet die Autorin nicht auf altägyptische Ausdrücke in ägyptologischer Aussprache. Ägyptologiekenner profitieren deshalb, da es einfach noch ein Stück mehr der Historie nahe kommt wenn man anstatt Bier das Wort henqet oder statt Memphis dafür Men-nefer, u.v.m., liest. "Tage des Seth" knüpft inhaltlich nicht an "Tage des Ra" an. Ist aber sprachstilistisch sehr ähnlich.


(© Mein-Altaegypten.de, im Oktober 2010, Anja Semling)

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