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Rubrik: Geschichte & Kultur

Die großen Ägypterinnen

Buch

  • Die großen Ägypterinnen
  • von Christian Jacq
  • aus dem Französischen übertragen von Thorsten Schmidt
  • Verlag: Patmos
  • Gebundene Ausgabe
  • 336 Seiten
  • Erscheinungsdatum: Januar 2007
  • ISBN: 978-3491962002

    Bestellmöglichkeit :


Im Verlag Patmos ist Anfang des Jahres 2007 ein Buch in Neuauflage erschienen, unter dem Titel "Die großen Ägypterinnen", geschrieben von dem renommierten französischen Ägyptologen und Autoren Christian Jacq.
Dies vorliegende Sachbuch handelt von den Frauen im Alten Ägypten und ist wahrlich eine Hommage an all jene. Wobei der Buchtitel "Die großen Ägypterinnen" primär vermuten läßt, dass in dem Werk lediglich den Ägypterinnen mit Titel, Rang und Namen, Platz gewidmet ist, doch dem ist nicht so; die zahlreichen Kapitel berichten auch von Ägypterinnen, die "groß" im Sinne von ihren Berufen, Ämtern, Aufgaben, Tätigkeiten, spirituellen Fähigkeiten oder vielleicht einfach wegen ihres Daseins an sich, waren.

Nicht nur "zwischen den Zeilen" eröffnet sich dem Leser die Bewunderung des Autors, für diese weiblichen Wesen aus einer faszinierenden alten Welt, sondern auch in den gut recherchierten Beiträgen, kommt dies zum Ausdruck. Diese lassen den Leser wissen, wie all jene Ägypterinnen, neben den Männern, mitunter zum kostbarsten Bestandteil der altägyptischen Kultur gehörten. Und das nicht weniger als 3000 Jahre Pharaonenherrschaft; erst durch die Griechen wurde die Rechtsstellung und somit auch Selbständigkeit, der Ägypterinnen beschnitten.
So bringt es Jacq auch nochmal in seinem Schlusswort auf den Punkt: "Trotz seiner Schwächen ist dieses Werk eine Huldigung an die strahlenden und unsterblichen Ägypterinnen."
(Mit Schwächen meint Jacq: unvollständige Quellenlage, das Fehlen aufschlußreicher Zeugnisse.)

Gegliedert ist das Werk in vier unterschiedlich große Teile zu den Themen: Herrscherinnen; Liebende, Ehefrauen und Mütter; Frauen bei der Arbeit; Eingeweihte und Priesterinnen; denen eine kurze Einleitung vorausgeht sowie ein Schlußwort folgt. Der erste Teil (Herrscherinnen) und der zweite Teil (Liebende, Ehefrauen und Mütter) nehmen den meisten Raum in Anspruch.
Gleich in der Einleitung sowie auch im Schlußwort, geht der Autor Jacq auf die Stellung der Frau damals im Vergleich zur Moderne, ein. Zwischen Mann und Frau im Alten Ägypten, herrschte eine weitgehende Gleichberechtigung, so Jacqs Erkenntnis; in der Ehe hatten beide gleiche Rechte und Pflichten. Und in Bezug auf religiöses und spirituelles Wirken sowie Eingebundensein, hatte die Frau seither, nach dem Fall der Pharaonenherrschaft, nie wieder einen solch' hohen Status erlangt. (Vgl. dazu Christentum, Islam, Judentum)

Auf den überwiegend bilderlosen Seiten lernt der Leser Königinnen, Herrscherinnen, Priesterinnen, Arbeiterinnen, Dienerinnen, Gattinnen, Mütter, und ja, auch Unbekannte kennen.

Wie schon erwähnt ist der erste Teil den Herrscherinnen des Alten Ägyptens gewidmet; darunter natürlich bekannte Persönlichkeiten wie Nofretete, Hatschepsut und Kleopatra. Aber auch andere hochrangige und bedeutsame Persönlichkeiten werden in chronologischer Abfolge vorgestellt. Beginnend mit der mythischen Königin Isis, die der Legende nach einst mit ihrem Gemahl Osiris über Ägypten herrschte und wir sie heute als die große Göttin Isis kennen. Anschließend erzählt uns Jacq von einer der frühesten Königinnen aus der sogenannten Frühzeit, namens Merit-Neith; bei jener geht er auch der Frage nach, ob sie damals als Pharao über die "Beiden Länder" (Ägypten) herrschte.
Nach diesen frühzeitlichen Herrscherinnen folgen weitere interessante Frauengestalten, die entweder alleine oder in königlicher Begleitung die Geschicke des Landes lenkten. So z.B. Königin Hetep-heres, die Königsmutter des bekannten Pyramidenbauers namens Cheops, aus dem Alten Reich. Oder Königin Neit(h)-iqeret, die offensichtlich die erste Frau, die offiziell als regierender König anerkannt wurde, gewesen war; sie trug formell den Titel "König von Ober- und Unterägypten" – laut Jacqs Recherchen.
Weitere beeindruckende Herrscherinnen waren die Frauen, die nach der Fremdherrschaft der Hyksos, Ägyptens Zukunft mitbestimmten: Ah-hotep, Ahmes-Nefertari und die spätere Hatschepsut. Über wenige Frauen aus dem Alten Ägypten wurde soviel geschrieben wie über Königin Hatschepsut, und so auch Jacq. Er widmet ihr gleich mehrere Kapitel. Nach der imposanten Königin Teje aus der Zeit des Neuen Reiches folgt die schöne Nofretete, und mit ihr gewinnt der Leser auch Einblicke in die sog. Amarnazeit. Ägypten hat noch weitere großartige Frauengestalten hervorgebracht, zu jenen zählt auch Königin Nefertari, die Hauptgemahlin von Ramses II. Auch eine Ta-useret ist nicht weniger bedeutsam, die letzte ägyptische Pharaonin auf dem Thron. Mit Königin Kleopatra schließt der erste Teil des Buches ab.

Im zweiten Teil "Liebende, Ehefrau und Mutter", befaßt sich der Autor mit zwischenmenschlichen Gegebenheiten, wie die der Verliebtheit sowie derer Freuden und Kummer. Insbesondere im Kapitel Ehe wird ein positives Bild von der Frau gezeichnet; hatte sie doch gleiche Rechte und Pflichten, wie der Mann gehabt. Die Ehe war ein private Angelegenheit, die auf keinem religiösen Ritual oder staatlichen Zwang gründete – so Jacq.
Um dem übergreifenden Thema noch mehr Authentizität zu verleihen, fügt Jacq einige schöne Beispiele an, die von Frauen handeln, die einst gelebt haben und von denen man aufgrund des Quellenmaterials, Auszüge aus deren Lebensumständen und -ereignissen, aufbereiten konnte. Eingegangen wird in diesem Teil auch auf Kleidung der Frau, Schönheit, Schminken und Schmuck. Desweiteren ein prägnantes weibliches Thema, wie das der Schwangerschaft und Niederkunft, mitsamt ihren Beihilfen wie die der Ammen und speziellen Gottheiten. Als "Nebet-Per", was heißt Herrin des Hauses, wurde die ägyptische Frau im Haus bezeichnet, die eine Familie um sich hatte und einen Haushalt führte. Und selbst wenn sie gestorben war, die Herrin des Hauses, dann hatte sie noch immer (magischen) Einfluß auf ihre Hinterbliebenen. Davon erzählen die letzten Kapitel im zweiten Teil des Buches.

In "Frauen bei der Arbeit", so lautet der dritte Teil, kommen unterschiedliche Berufe und Tätigkeiten, die Frauen damals ausübten zur Sprache. Von Frauen mit hohen Ämtern bekleidet bis hin zur einfachen Dienerin, deckt das Berufsspekrum vielerlei unterschiedliche Aufgaben ab; gewiss auch die der Hausherrin, der Weberin, der Schreiberin, der Geburtshelferin und weitere mehr. Und je nach Gesellschaftsrang der Ägypterin, da nicht jede Frau automatisch jeden Beruf ausüben konnte. Der Autor räumt auf mit dem allseits geläufigen Vorurteil des sogenannten Harems – welcher dereinst ein Kollektiv von Frauen und Männern war, und nichts zu tun hat, wie fälschlicherweise oft angenommen wird, mit den "Gefängnissen" für Frauen in der islamischen Welt – so Jacq.

"Eingeweihte und Priesterinnen" behandelt anhand einzelner Portraits, welche Rolle die Frau in der geistigen und spirituellen Welt in Ägypten spielte, insbesondere im Kult, bei Ritualen sowie im Dienste eines Gottes. Ihre Entfaltung hinsichtlich spiritueller Aufgaben war jedenfalls enorm; weit größer als jemals wieder in späterer Zeit – nach der Pharaonenzeit. So waren z.B. ausgewählte Ägypterinnen in die geheimnisvollen Mysterien eingeweiht. Als Gottesanbeterinnen regierten Priesterinnen sogar 500 Jahre lang über die bedeutende Stadt Theben – einst geistiges Zentrum Ägyptens. Die Königin konnte höchste Priesterämter bekleiden und daneben gab es noch die Klagefrauen, die Dienerinnen des Ka oder die Seherin, u.a.

Im Anhang finden sich Erläuterungen oder Buchtitel-Angabe, zu den, in allen Kapiteln eingestreuten Fussnoten. Eine Zeittafel mit Königsnamen und Daten sowie ein Literaturverzeichnis zuzüglich Namensregister und zwei Karten, schließen das Buch ab.


Für Leser, die über noch wenige oder gar keine Kenntnisse zur altägyptischen Kultur verfügen, ist dies Buch genauso gut geeignet, wie für all jene, die bereits kundig sind und Spezifisches über Frauen im Alten Ägypten wissen möchten. Das Schöne an diesem Werk ist die breitgefächerte Vielfalt, welche Frauen im Rahmen ihrer geschichtlichen Einordnung, bietet.
Angesichts der vielleicht doch eher spärlichen Quellenlage in Bezug auf Frauen in der altägyptischen Gesellschaftsordnung, ist es wohl kaum möglich ein rundes und komplettes Bild über die ägyptischen Frauen während der Pharaonenzeit, zu zeichnen. Insbesondere trifft dies auf die Frauen der untersten Gesellschaftsschicht zu, was sich auch in dem Buch von Jacq bemerkbar macht. Doch hinsichtlich eines umfassenden Überblicks zum einen, und andererseits eines detaillierten Einblicks in verschiedene "Frauen-Gruppierungen", ist dies Buch absolut dienlich. Gerade die zahlreichen Portraits machen das Ganze noch greifbarer. Auffallend ist auch, dass das Buch Göttinnen des ägyptischen Pantheons berücksichtigt, nämlich immer dann wenn das Thema dies erfordert.

"Die großen Ägypterinnen", empfehlenswert für alle Ägyptenfans oder die es noch werden wollen. Gerade aber für interessierte Frauen in der heutigen Zeit ist das Buch zu empfehlen, es hinterläßt Spuren hinsichtlich unserer Vorfahrinnen ... und möge es dazu beitragen, die Rollen der Frauen im Weltgeschehen – einst und heute – besser zu verstehen.

Wünschenswert wären noch einige Abbildungen mehr, die altägyptische Frauen zeigen. In handlichem Buchformat und gebundenem Einband, sollte dies Buch in keiner Ägypten-Buchsammlung fehlen. Zu einem außerordentlich günstigen Preis zu haben.

(© Mein-Altaegypten.de, im Februar 2007, Rezensentin Anja Semling)


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