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Rubrik: Geschichte & Kultur

Die Stadt des Scharfnasenfisches
Alltagsleben im antiken Ägypten

Buch

  • Die Stadt des Scharfnasenfisches
    Alltagsleben im antiken Ägypten
  • Autor: Peter Parsons
  • Verlag: C. Bertelsmann
  • Aus dem Englischen: von Yvonne Badal
  • Originaltitel: City of the Sharp-Nosed Fish
  • Auflage: Deutsche Erstausgabe
  • Umfang: 384 Seiten
  • Bilder: 24 bebilderte Farbseiten
  • Gebundenes Buch mit Schutzumschlag
  • Erscheinungsdatum: März 2009
  • ISBN: 978-3570004593

    Bestellmöglichkeit :

    Authentische Schilderung des Alltagslebens vor über 2000 Jahren in Ägypten.


Im März 2009 erschien von dem Papyrologen Peter Parsons ein Buch mit dem ungewöhnlichen Titel »Die Stadt des Scharfnasenfisches«, in erster Auflage in deutscher Ausgabe. Erst nach dem Lesen des Untertitels »Alltagsleben im alten Ägypten« kann man sich mehr darunter vorstellen. Doch mit Eintauchen in den ganzen Inhalt des Buches, wird der Leser auf's Neue überrascht, denn hiermit liegt wohl eines der seltenen Sachbücher für die breite Öffentlichkeit vor, das sich so intensiv mit Aufzeichnungen auf Paypri aus dem Alltagsleben der griechischen Ägypter beschäftigt. Woher das ganze Wissen um diese Kultur? Die Archäologen graben aus und dokumentieren; hierbei war es eine Grabungsstätte der besonderen Art: eine Müllhalde als Fundgrube.

Papyri die im Jahre 1897 von zwei britischen Archäologen in Mittelägypten in der versunkenen Stadt »Oxyrhynchos« auf einer großen antiken Mülldeponie gefunden wurden, offenbaren die Lebenswelt einer ganzen Metropole. Diese beschrifteten Papyri sind teils so gut erhalten geblieben, dass die Wissenschaft viele Ereignisse, Tatsachen oder Gedankenaustausch der damals lebenden Menschen, daraus erschließen konnte. Der Autor des Buches hat sich die Mühe gemacht bis in Details vorzudringen, zu übersetzen und zu interpretieren, was diese Stimmen vom Nil damals bewegte. Es sind Inhalte jeglichen Bereichs, von belanglosen Alltagsdingen der gewöhnlichen Bürger bis hin zu historischen Begebenheiten unter den Reichen und Mächtigen. Das Buch konzentriert sich auf die Stadt »Oxyrhynchos«, die damals eine blühende Handelsmetropole, mit ca. 20.000 Einwohnern, war, und schon seit Ramses II. existierte. Der Name Oxyrhynchos (griechisch), bedeutet scharfnasig, nach dem Nilhecht der in der Stadt verehrt wurde. In Altägyptisch heißt sie »per-medjed«. Die Griechen nannten die Stadt auch die »Glorreichste der Glorreichen«.

Das Buch beschäftigt sich mit dem Ägypten der Griechen – mit dem Jahrtausend zwischen Alexander dem Großen und der arabischen Eroberung (334 v.Chr. bis 640 n.Chr.). Es war die Zeit als griechische Einwanderer und ihre Nachfahren das Land Ägypten beherrschten. Zunächst unter den makedonischen Königen, dann unter den fernen römischen und byzantinischen Kaisern. Ägypten erlebte in jenen Jahrhunderten eine Zeit des religiösen Wechsels, der Änderung der Sprache samt Schrift und der Umgestaltung in kultureller Sicht, obwohl ägyptische Traditionen auch bewahrt und adaptiert wurden.

Am Beginn der ganzen Geschichte steht die Entdeckung der sandbedeckten Mülldeponien, die die Stadt Oxyrhynchos umgaben. Kurz darauf, bereits im Jahre 1898 wurden Teile aus den Oxyrhynchos-Papyri veröffentlicht. Den Ausgräbern Grenfell und Hunt, zwei junge Archäologen, war schnell klar welchen Schatz sie da gefunden hatten, der das Leben und Wirken einer ganzen Stadt offenbarte. Es galt nur noch die Inschriften zu entschlüsseln. Vom Gesamtanteil der Papyri machen 90% Alltag und Gesellschaft der Griechen in Ägypten aus, die restlichen 10% widmen sich der Literatur. Sogar bekannte Werke der griechischen Antike sowie auch christliche Schriften (z.B. Thomasevangelium) fanden sich darunter.

Das zweite Kapitel im Buch beschreibt genau diese sensationelle Entdeckung in den Müllhalden und wie es unmittelbar weiterging, nämlich die Papyrus-Fragmente wieder zusammenstückeln und konservieren sowie die Lagerung. Das erste Kapitel berichtet in Kürze über die ersten ägyptologischen Grabungen in Ägypten. Im dritten Kapitel ist von den ägyptischen Griechen die Rede, über deren Sprache und die Hauptstadt Alexandria. Mit dem vierten Kapitel nähert sich der Leser dann der Stätte, die soviel Zeugnisse der Nachwelt hinterließ: das ägyptisch-griechische Oxyrhynchos.
Der Autor nimmt von da an den Leser mit auf eine Zeitreise, die von Zeugen der Vergangenheit (mittels deren Aussagen aus ihren brieflichen Inschriften) begleitet werden. Diese erzählen Details über ihr Leben am Nil. Mit viel Sachverstand und fundiertem Wissen, vervollständigt der Autor anhand seiner sachlichen Darstellungen und Erklärungen das Bild für den Leser. Einzelheiten aus den Papyriinschriften hat er vorwiegend selbst übersetzt. Diese Übersetzungen in deutscher Sprache sind in sämtliche nachfolgende Kapitel eingestreut: Herr und Gott; Der Fluss; Märkte; Familie und Freunde; Poeten und Pedanten; Bürokraten; Überleben; Christen und Christenheiten.
Eine Karte, Zeittafel, Liste der römischen Kaiser sowie Glossar, Bibliografie, Register und Anmerkungen zu den Quellen machen das Sachbuch komplett. Außerdem schöne Farbfotos, die sich über drei Farbstrecken verteilen.

Die behandelten Themen sind sehr vielfältig: da geht es um Arbeiten am Fluß die ausgeführt werden müssen, Streitigkeiten zwischen Freunden, Bittschriften an den Präfekten, Liebesbekundungen, Geschäftsbeziehungen, aber auch um religiöse Inschriften aus der christlichen Zeit und vieles mehr. Beim Lesen dieser übersetzten Papyridokumente fällt sogleich der Sprachstil auf, blumig und irgendwie auch verrätselt.

Zwei kurze Zitate-Beispiele:
"... an meinen Sohn Ptolemaios ... zögere nicht, mir auch von allem zu schreiben, was du von hier brauchst. Es bekümmerte mich, von der Tochter unseres Tutors Diogenes zu erfahren, dass er flussabwärts gesegelt ist, ..."

"Ich bestätige, dass ich besagtes Boot von dir geheuert habe, zur Beladung mit zweihundert kleinen caesareanischen Gläsern, die du im Hafen aufnehmen und in den Hafen des vorgenannten Nomos Herakleopolites oberhalb von Memphis liefern wirst, ..."


Das Buch ist sehr lehrreich hinsichtlich der kulturellen Entwicklung und Situation der Ägypter und Griechen damals am Nil. Durch die zitierten Papyrusdokumente, die den einstigen Bewohnern von Oxyrhynchos, in diesem Buch, wieder eine Stimme geben, bekommt der Leser einen sehr lebendigen Einblick in diese versunkene Welt, die der Autor auf die Zeit von der Ankunft der Römer bis zur Etablierung des Christentums, eingrenzt.

Der Schreibstil des Autors ist zudem eingängig und leicht zu lesen. Für wißbegierige Leser die sich für Alltag und Gesellschaft einer einzigartigen Kultur begeistern, ist das Buch gerade bezüglich der Zeit als die Griechen in Ägypten weilten, ein Muss. Für Freunde der Religionsgeschichte ist das letzte Kapitel "Christen und Christenheit" erwähnenswert, wo es um das christliche Oxyrhynchos geht. Dieses Kapitel ist auch nicht ganz leicht zu verstehen, ohne Grundkenntnisse zur Thematik. Man muss kein Experte sein um die anderen Kapitel gut nachzuvollziehen, wünschenswert wäre allerdings Interesse an historischen Zusammenhängen. Der Autor versteht es zudem den Leser auf kurzweilige und unterhaltsame Weise zu informieren.

(© Mein-Altaegypten.de, im Juli 2009, Anja Semling)


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