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Rubrik: Religion & Glaubensvorstellungen

Die verbotenen Gräber in Theben

Buch

  • Die verbotenen Gräber in Theben
  • Textbildband –
  • Verlag: Philipp von Zabern
  • Autor: Zahi Hawass
  • Erscheinungsdatum: Oktober 2009
  • Seitenzahl: 288
  • Mit 20 Klapptafeln und 300 Farbabb.
  • Auflage: 1. Auflage
  • Einband: Hardcover mit Schutzumschlag
  • ISBN: 978-3-8053-4077-9

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Ein weiteres opulentes Werk zur ägyptischen thebanischen Nekropole gegenüber dem heutigen Luxor liegt der interessierten Leserschaft mit "Die verbotenen Gräber in Theben" von Ägyptens prominentestem Ägyptologen Zahi Hawass vor. Erschienen im Philip von Zabern Verlag. Es behandelt die Noblen-Gräber (nichtkönigliche Gräber), von denen die meisten der Öffentlichkeit nicht zugänglich sind. Das vorausgegangene Werk "Bilder der Unsterblichkeit", gleichfalls von Zahi Hawass, beleuchtet die Königsgräber im Tal der Könige, genauer die sogenannten Jenseitsbücher.

Vorliegendes Werk ist fast wie ein Kunstbuch mit Schwerpunkt auf Malerei und einige Reliefs. Diese herrlichen Wandmalereien der alten Ägypter, die sie in den Gräbern jener Menschen schufen, die den Pharaonen dienten, sind einzigartig in ihrer Darstellung. Die farbigen Malereien zeigen die vielfältige Lebenswelt der alten Ägypter, Begräbnisszenen sowie kultische Handlungen.
Hunderte solcher Noblen-Gräber liegen beim Tal der Könige in der thebanischen Nekropole, wo mehrere Friedhöfe dieser verstorbenen Menschen zu finden sind. Zum Beispiel Dra Abu el-Naga oder el-Qurna, etc. Das weitläufige Theben-West ist, was die Gräberanzahl aus dem Neuen Reich betrifft, besonders ergiebig für die Wissenschaft und Forschung.
Rund 80 dieser Gräber sind in dem Textbildband vorgestellt, aus der Zeit des Neuen Reiches, um 1550 bis 1100 v.Chr. Bekannte und "verbotene" (geschlossene, nur für die Wissenschaftler betretbare) Gräber sind im Kontext der einzelnen Themen, wie zum Beispiel: Historie, Grabarchitektur und -dekoration, vorgestellt. Die Inhaber dieser Gräber, waren Wesire, Beamte, Priester, Höflinge sowie auch die Handwerker und Künstler, die diese Gräber erschufen. Neben den sachlichen Informationen bildet der Schwerpunkt im Buch die Fotografie der Innenräume samt ihrer Dekoration. Dies sind die Wandmalereien, die Reliefs und Einblicke in unterirdische Räumlichkeiten. Die letzten drei Kapitel sind bestückt mit fotografischen Abbildungen, die Objekte (z.B. Grabbeigaben) zeigen oder Grabungsgebiete in Theben-West.
Die oft formatfüllenden Abbildungen sind von herausragender Qualität; sie wurden von dem Fotografen Sandro Vannini fotografiert. Um der ganzen Thematik noch mehr Tiefe zu verleihen sind etliche Klapptafeln eingebunden.

Grab des Ramose

Grab des Roy

Grab des Roy

Wandmalereien aus thebanischen Gräbern (Fotos: Elvira Kronlob)


Eine Einführung zur Historie der thebanischen Nekropole sowie ein geschichtlicher Abriss des Neuen Reiches stimmt die Leserschaft auf nachfolgende neun Kapitel ein. Diese Kapitel beschäftigen sich mit religiösen Aspekten zur Grabkultur der alten Ägypter, mit der Grabarchitektur sowie mit den inhaltlichen "Botschaften", die die Malereien darstellen. Diese Darstellungen erzählen dem Leser über das vergangene Leben des Verstorbenen; Sie sollten an das irdische Leben erinnern und den gefahrlosen Übergang der Seele von dieser Welt in die nächste Welt sicher stellen. Themen dieser Darstellungen sind zum Beispiel: Jagd, Feste, Feldarbeiten, handwerkliche Tätigkeiten, Lebensmittelproduktion, Opferdarbringung, Begräbnisriten und die Vorstellung der Jenseitswelt.

Im letzten Kapitel des Buches macht der Autor Zahi Hawass auf die Gefährdung des Tals der Noblen, durch äußere Einflüsse aufmerksam. Dies sind die modernen Grabräuber von heute oder Umweltverschmutzung. Zur Ergänzung sind Projekte vorgestellt, die im thebanischen Gebiet arbeiten.
Im Anschluß von jedem der 81 im Buch erwähnten Gräber, eine kleine Aufrissgrafik mit Detailinformationen. Und drei Lagepläne.

In Theben-West wurden während der 18. und 19. Dynastie die obersten Beamten des Amun-Tempels / Karnak, die obersten Beamten der Staatsverwaltung und die obersten Beamten der Armee beigesetzt. Die Personen Nacht, Sennefer, Ramose und Schuroy zählen beispielsweise zu jenen Privilegierten. Von ihren Gräbern sind gute Beispiele im Buch zu finden, die Einblicke in deren vergangenes Leben geben. So sind im Grab des Ramose, einst Wesir, Szenen seiner Bestattungsprozession abgebildet. Die Grabdekoration von Ramoses Grab in Theben-West blieb unvollendet, zeigt aber herrliche Flachreliefs. Oder das Privatgrab von Sennefer, einst Bürgermeister von Theben, welches zu den bekannten Noblengräber zählt, ist ausgemalt mit herrlichen Bildmotiven, die Alltagsaktivitäten sowie Bestattungsszenen zeigen. Viele faszinierende Gräber liegen in Theben-West, ein bekanntes davon ist auch das Grab von Menna, mit dessen farbigen Szenen aus der Landwirtschaft voll lebendiger Details.

Empfehlenswert ist dieses opulente Werk für all Jene, die genaue Informationen und Einzelheiten zur behandelten Thematik suchen, aber nicht zu sehr in die Tiefe gehen möchten, und nicht den Anspruch auf universitäre fachliche Wissenschaftsberichte erheben. Die Abbildungen der bildhaften Grabdekorationen der Noblen-Gräber die im Buch reichlich vorhanden sind, geben einen wunderbaren Einblick in diese Kultur, die sich so sehr mit dem Leben nach dem Tode beschäftigt hatte.

Der Kaufpreis für "Die verlorenen Gräber in Theben" ist durchaus gerechtfertigt, da es in deutscher Sprache für die Öffentlichkeit kein vergleichbares Werk gibt, das sich näher mit den Noblen-Gräber beschäftigt; Und auch aufgrund der Präsentation des Buches mit dem hervorragenden Bildmaterial, ist der Preis keineswegs zu hoch.
Wer sich also zum ägyptologischen Thema "Noblen-Gräber in Ägypten/Theben-West" ein großformatiges, drucktechnisch auf hohem Niveau hergestelltes und inhaltlich lehrreiches Buch wünscht, ist mit diesem Prachtband sehr gut bedient. – Der Textbildband ist auch veröffentlicht in English von Thames and Hudson, unter dem Titel "The Lost Tombs of Thebes: Life in Paradies".

(© Mein-Altaegypten.de, im November 2009, Anja Semling)


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